Das eigentliche Geschäft der Lebensmitteldiscounter sind bald womöglich nicht mehr Lebensmittel. Viele Aktionswaren wie Handys, Fahrräder, Textilien usw. machen bei vielen Discountern inzwischen eine erhebliche Menge des Umsatzes aus. An und für sich sind die Preis-Leistungs-Verhältnisse durchwachsen, der führende deutsche Discounter schneidet bei Tests immer wieder gut ab. Als Verbraucher habe ich da bisher auch immer ein gutes Gewissen gehabt. Denn gute Waren zum mehr als fairen Preis, wer mag da schon ablehnen? Und dass (so ziemlich alle) Discounter ihre Waren ausschließlich auf Palletten ohne Regale und Dekorationen präsentieren, hat mich bisher eigentlich auch nicht gestört. Beim Marktführer der Discounter hat es sogar einige Jahre gedauert, bis dort Kassensysteme eingeführt wurden, die die Waren scannen und eine bargeldlose Kartenzahlung ermöglichen. Jede neu entstehende Filiale von Mitbewerbern bekam von Beginn an Kassen installiert, die alle modernen Ansprüche erfüllen: Warenscanner, mögliche Kartenzahlung, Waage zur Preisermittlung von losen Artikeln wie Obst, Gemüse und Nüsse. Aber eben jener „Marktführer“ hat als letzter nachgerüstet. Allerdings dann, so glaube ich, mit modernsten Geräten, die preislich seinen Vorstellungen entsprachen und seinem Unternehmenskonzept entsprachen. Doch moderne Kassensysteme gibt es nun auch hier. Und dieses Kassensystem wird wohl jede Filiale mit der Konzernleitung und der Buchhaltung in Verbindung halten. Allerdings wird das Unternehmen (ob stellvertretend für alle Mitbewerber, das weiß ich nicht) kritisiert, seine Aktionsartikel auf Kosten der Arbeiter produzieren zu lassen. Ein großer Teil der Artikel wird in Fernost gefertigt, und zwar zu Bedingungen, die hier zu Lande jeder Beschreibung spotten. Schon das hier so hochgelobte Arbeitsrecht ist dort nicht interessant. Ebenso werden viele Frauenrechte umgangen. Bei den Produzenten und Zulieferern werden faire Arbeitsbedingungen wohl nicht ganz so ernst genommen. Da sollte der Discounter aber vielleicht mal nachhaken. Entweder sind dann akzeptable Arbeitsbedingungen für die meist weiblichen Arbeitnehmer auszuhandeln oder meiner Meinung nach sollte sich das Unternehmen dann von den Zulieferern trennen und neue Geschäftsbeziehungen suchen. Denn wenn die Qualität für den gebotenen Preis erstaunlich gut ist, so hinterlässt es doch einen bitteren Nachgeschmack, wenn für die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Produktion die Arbeitsbedingungen schlecht sind. Das macht sich mittelfristig auch in den Umsatzzahlen bemerkbar. Die könnten erheblich zurück gehen und das jährliche Betriebsergebnis ebenso schmälern wie die tägliche Abrechnung der Kassen. Da in Discountern überwiegend Teilzeitkräfte arbeiten, so habe ich jedenfalls den Eindruck, kommen da pro Tag und auch pro Woche so einige Abrechnungen zusammen. Und wenn über längere Zeit die Kassen nicht stimmen, dann fällt das möglicherweise auf die Mitarbeiter der jeweiligen Filialen zurück. Also liebe Discounter: seit so gut und sorgt bitte für faire Arbeitsbedingungen in eurem Zuständigkeitsbereich. Ich bin auch bereit, dafür eine gewisse Preissteigerung hinzunehmen!
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